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Insektensterben: Sind wir noch zu retten?

Fachvortrag von Karl Bär, Umweltinstitut München e.V.

Karl Bär, Fachreferent für Agrar- und Handelspolitik am Umweltinstitut München e.V. erläuterte kürzlich vor circa 45 Interessierten die ökologischen Zusammenhänge und Gründe, die zum aktuellen Massensterben an Insekten, Vögeln und vielen weiteren Arten führen. Weltweit verschwinden 20 bis 50 Tierarten täglich – mit steigender Tendenz. „Dass immer mal wieder Arten aussterben ist normal. Doch das gravierende Artensterben, das wir jetzt erleben, ist eine Katastrophe“ machte Karl Bär klar. Und: „In den letzten 30 Jahren ist die Insektenbiomasse um fast 80 Prozent eingebrochen und der Rückgang beschleunigt sich noch.“

Biodiversität ist das Schlagwort der Stunde. Doch was steckt eigentlich dahinter? Karl Bär machte deutlich, dass es in einem natürlichen Ökosystem auf viele Faktoren ankommt: angefangen mit der Vielfalt der Landschaft und Landschaftselemente  über die genetische Vielfalt bis hin zur Vielfalt an Pflanzen und Tieren. In unserer flurbereinigten, auf maximalen Erfolg und Ertrag ausgerichteten Kulturlandschaft mangelt es an allem davon. Tonnenweise ausgebrachte Insektengifte wie Neonikotinoide oder Glyphosat, Nahrungsmangel aber auch die zunehmende Lichtverschmutzung  führen zum Massensterben der Insekten. Schließlich wird durch die  fehlenden Insekten  die Nahrungsgrundlage für die Vögel und andere Tiere entzogen. Auch Körnerfressende Vögel sind davon betroffen, denn Körnerfresser ziehen ihre Brut überwiegend mit Insekten auf.

Mit der Vielfalt geht in einem Ökosystem dessen Stabilität verloren. Je facettenreichen ein Ökosystem ist, umso flexibler kann es auf Störungen von Außen reagieren. Vom Menschen geschädigte Ökosysteme können Störungen hingegen nicht mehr ausgleichen und kippen um.

Was ist zu tun, um dem entgegenzuwirken? Karl Bär fordert ein Verbot von Insektengiften, eine ökologische Landwirtschaft. Er regt die Verwendung von ökologisch und regional erzeugten Lebensmitteln bei der Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen und Krankenhäusern an. Straßenbegleitgrün und öffentliche Grünflächen können als insektenfreundliche, artenreiche Blühflächen Insekten bis in den Sommer  hinein mit Nahrung versorgen – ebenso wie naturnah gestaltete Privatgärten.  Bei Pachtverträgen kann der Verzicht auf Pestizide und das Anlegen von Blühstreifen und/oder Hecken festgeschrieben werden. Auch Straßenlampen und Werbung müssen nicht die ganze Nacht hindurch leuchten.

Ingrid Jaschke, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Olchinger Stadtrat ergänzt: „Wir wollen, dass endlich die Mückenbekämpfung in den Amperauen eingestellt wird – denn mit dem eingesetzten Mittel Bti werden neben Steckmücken auch andere Arten dezimiert. Angesichts der gravierenden Folgen ist dies nicht länger hinnehmbar.“

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